No one

Manchmal stoßen zwei Menschen mit ihren Köpfen aneinander.

Und niemand ist schuld.

Manchmal stoßen zwei Menschen mit ihren Herzen aneinander.

 


 

Two people sometimes collide with their heads.

And no one can be blamed.

Two people sometimes collide with their hearts.

 

3.8

Wer hätte gedacht,

dass man 3,8

Kilogramm Ballast

mal so eben

bei der Post abgeben kann.

Was für eine Last

hab ich mir gedacht

und warf dann den Ballast,

der mich nach unten zog,

lächelnd über Bord.

Und wer hätte das gedacht,

was es mit mir macht.

Dass ich so viel höher fliegen kann,

und dass ich so viel schneller segeln kann,

ohne dich an Bord.

 


 

Who would have thought

that 3.8 kilograms of baggage

I’ve been carrying around

can so easily be dispatched

at the local post office branch.

Who would have thought

that it was the best decision

to throw it overboard,

these things pressing on my shoulders

ever since then and now far too long.

Who would have thought

that it makes me feel this good.

That I am flying so much higher,

and that I am sealing so much faster,

with you no longer on board.

 

Plato’s Symposium Vol. II

Heute auf dem Programm: die Revitalisierung eines Beitrages, den ich bereits vor genau einem Jahr veröffentlicht habe. Einfach, um uns alle daran zu erinnern. Um mich selbst daran zu erinnern. Dass ich noch immer daran glauben möchte.

Denn es heißt, dass es einst eine Zeit gab, in der die Beschaffenheit der Menschen eine andere war. Als sie noch kugelförmige Rümpfe, zwei Köpfe und je zwei Paar Arme und Beine hatten und man sie Kugelmenschen nannte. Ihre Stärke und Vollkommenheit jedoch erregte Neid und Missfallen unter den Göttern, könnten ihnen die Menschen doch zu ähnlich sein und ihnen nicht länger die gebührende Verehrung zuteilwerden lassen, die sich die Götter von ihnen erhofften. So berieten die Götter untereinander und nach langer Überlegung fand Zeus schließlich einen Weg, wie er die Menschen schwächen könnte, ohne sie dabei gänzlich zugrunde zurichten. Und so lies er sie unter einem Vorbehalt zusammenrufen und schleuderte alsbald einen Blitz vom Himmel, der jeden Kugelmenschen in zwei Hälften spalten sollte. Die getrennten Hälften verstreute er dann in alle Winde. Nun waren die Kugelmenschen fortan halbiert, mit nur noch einem Kopf, einem Paar Armen und Beinen unterwegs, als Menschen, und in ihnen, die unstillbare Sehnsucht nach der ihnen verloren gegangenen Ganzheit, ihrer fehlenden zweiten Hälfte. Zu spät erkannten die Götter, dass sie aus ihrer Selbstsucht heraus, großes Leid über die Menschen gebracht hatten und gestanden den Kugelmenschen zu, dass sich alle jene zusammengehörige Hälften untrennbar wieder vereinen dürften, wenn sie einander gefunden hätten. Die Liebe wurde geboren. Denn so sucht seither ein jeder Mensch nach der ihm fehlenden, zweiten Hälfte. Den Menschen, denen es gelingt, die ihnen zugehörende andere Hälfte zu finden, so heißt es, fänden dadurch zur Glückseligkeit und blieben fortan ihr ganzes Leben miteinander verbunden, gleichwohl beide Seelen wohl selbst niemals zu benennen wüssten, was genau sie eigentlich voneinander wöllten.

Erkläre mir die Liebe, hörte ich vor Kurzem noch Philipp Poisel singen. Frag doch mal Platon, würde ich ihm darauf gern entgegnen. Denn dieser Mythos nach dem griechischen Philosophen ist für mich persönlich wohl einer der wunderschönsten Ansätze, um die Liebe zu erklären. Wenngleich sie doch in keiner Weise erklärbar ist. Doch muss es eben, zumindest meiner Ansicht nach, über den evolutionsbiologischen Ansatz, über die Sache mit den Hormonen und der körperlichen Vereinigung, sprich über die nüchterne Geilheit hinaus, noch mehr geben, was zwei Menschen vereint, sie zu Kugelmenschen werden lässt. Stärker und vollkommener zu zweit. Passend ohne Passendmachung. Das ist die Liebe, lieber Philipp Poisel.  

 


 

There’s this one wonderful myth I was told one year ago. Back then I really like to spread the myth with my other friends and it now and then even helped to dry some love sick tears and bring back again a smile on sad faces. According to the speech, long time ago, humans were composed of two people, stuck back-to-back, with two faces and eight limbs. The gods, out of jealousy, split them in half and made them humans with only one face and four limbs, much weaker than they have been before, because of the missing other half. Now, throughout our lives, we are searching for our other half. However, when the two halves finally get together, they find true happiness and stay together for the rest of their lives, even though they could never explain the invisible connection between the two of them. In the end it’s our souls and not our bodies that mostly desire to be reuinted. I really love this myth and hopefully this makes you smile the way I smiled when I once was told it. Look to your left or your right, maybe there’s already this special person sitting next to you. And even if not, your other half is existing. That’s all you need to know. And who knows, maybe your other half is on its way and it’s already much closer to you than you might dare to imagine right now.

Black Swan

„Aber du stehst schon bisschen auf dich selbst, ne?“

Eine Frage, die man sicherlich häufiger gestellt bekommt, wenn man auf Instagram aktiv ist, Bilder von sich postet oder einen eigenen Blog betreibt. Und ja, die Vermutung liegt nahe, dass Menschen, die Bilder von sich ins Netz stellen, sich selbst wohl für besonders schön zu halten scheinen, ja, vielleicht sogar so ein ganz klein wenig selbstverliebt sein müssen. Und ich mag ungern bestreiten, dass es sie nicht gibt, die Menschen, die so empfinden, natürlich – aber grundlegend, ja so ganz grundlegend, mal aus meiner eigenen Haut heraus betrachtet: nein, ganz einfach nein, was ist das denn bitte für eine dämliche Frage, ob ich mich selbst eigentlich gern am allerliebsten ficken würde.

Zunächst – in meinen Augen – ist die Fotografie eine Kunst. Oder vielmehr eine unterschätzte Form davon. Und darüber hinaus bietet das Fotografieren oder vielmehr das Sich-Vor-Eine-Kamera-Stellen die Möglichkeit, sich einmal ein wenig mehr mit sich selbst auseinander zu setzen. Oder anders ausgedrückt, es ist eine Möglichkeit, sich selbst sehen zu lernen. Zumindest erging es mir so. Womit wir beim Thema Akzeptanz und Selbstwert wären. Denn nicht hinter jedem Duckface auf Instagram verbirgt sich das Selbstwertgefühl eines Schwans. Und dabei wollen wir doch alle gerne Schwäne sein.

An dieser Stelle wird es daher Zeit, ehrlich zu sein. Die harten Fakten auf den Tisch zu knallen. Und dem dicken, bärtigen Mann, der gerade vor seinem Laptop sitzt und diese Zeilen hier liest, wild und zügellos zu beschreiben, was ich gerade anhabe. Dass ich mich selbst, mumienartig in meine Kuscheldecke eingerollt, mit ungekämmten Haaren, in meiner mit Herzchen bedruckten Jogginghose und dem zerfledderten Shirt mit Loch und dem Schokoladenfleck von vorhin, als ich mir diese riesen Portion Eis in den Mischer gezwiebelt habe, ohne Rücksicht auf Verluste, jetzt gerade, in genau diesem Moment, alles andere als hinreißend und schwanenhaft finde. Aber – ich bin satt und voller Kohlenhydrate. Das mag dich, dicken, bärtigen Mann jetzt zwar nicht geil machen, aber mich Hormonopfer macht es übertrieben glücklich. Und um mein Glück geht’s doch schließlich nur. Um die Erkenntnis, dass man auch mit Eiswampe und Assipalme noch in Schwanensee mittanzen kann. 

Fakt ist doch, auch die Bitch auf Instagram hat Selbstzweifel. Bin ich bisschen schön? Bin ich gut genug? Bin ich liebenswert? Und ist das da in Lightroom, auf diesem Foto hier, etwa Cellulite an meiner Wade? Was zur Hölle…! Ach nee, ist bloß ein Schatten. Puhh, heiliges Rhinozeros, auf den Schreck erst einmal ein Kinder Bueno. Aber, was ich doch eigentlich sagen wollte, ist – ob mit Schatten oder ohne, ich möchte niemand anders sein. Ich bin gerne ich. Und ich mag diesen Körper (auch wenn wir über die Sache mit den diversen Eispackungen in den letzten Tagen sicherlich nochmal sprechen könnten.) Bis man zu dieser Erkenntnis gelangt, ist es allerdings meist ein langer Weg. Der ein oder andere mag jetzt vielleicht einwerfen wollen, dass das doch einfach ein Prozess ist, dieses Erwachsenwerden eben, aber an dieser Stelle bevorzuge ich es dann allerdings, mir die Ohren zuzuhalten und lautstark zu rufen, dass ich nichts von alledem hören kann – laa – laa – laaaa. Erwachsenwerden, die spinnen doch. Aber nun gut,  dass es ein Prozess ist, damit könnten sie wahrscheinlich recht haben… 

Und ja, für mich persönlich hat mein Blog zu diesem Reifeprozess unglaublich viel beigetragen. Insbesondere auch das letzte halbe Jahr, in dem ich angefangen habe professioneller zu fotografieren. Auch andere. Familie. Freunde. Denn am Ende geht’s doch nur darum, sich selbst für gut genug zu befinden. Ohne wenn und aber. Sich nicht an Likes als Maßstab einer neuerdings gesellschaftlich attestierten Form von Schönheit zu bemessen. Und sich selbst einfach mal das Prädikat „wertvoll“ zu verleihen. So richtig mit Button am zerfledderten, mit Eiscreme beschmierten T-Shirt und so. „Wertvoll“, aber sowas von. Welchen Weg man wählt, um am Ende des Tages zu genau dieser Erkenntnis zu gelangen, das ist allerdings jedem selbst überlassen. Wenn der dicke, bärtige Mann und ich euch auf dem Weg dahin zumindest ein ganz klein wenig zum Schmunzeln bringen konnten, dann soll das schon alles gewesen sein, was ich mit diesem Text bezwecken wollte.

 IMG_4417-1-4

IMG_4474-1-2

IMG_4594-1-2

IMG_4606-1-2

 


 

„You’re pretty much into yourself, aren’t you?“

One question I’ve been asked quite a while ago. Just because I’m on social media, posting pictures of myself and running a blog. And yep, there might be people in this world who are pretty much in love with their own reflection in the mirror, I won’t doubt that, but for me personally – no, simply no – what a dumb thesis, that posting pictures of myself leads to the conclusion that it’s me I’d like to fuck with more than anything.

In my opinion photography is an art, an underestimated kind of art. Moreover, while especially standing in front of a camera, it’s also kind of a chance you get to face up with yourself. Or in other words, you may start to learn to see yourself, which leads me to the topic I would like to talk about, which is self-esteem and acceptance as this is not what you’ll find behind every duck face you see on your instafeed, even though we all aim to be swans in the end. 

Well then, while talking about self-esteem and acceptance I don’t wanna miss the chance to be untamed and tell the thick, bearded man, who’s sitting in front of his laptop and reading these lines right now, that I personally don’t consider myself – while laying around in my sweatpants with allover heart print and destroyed, old shirt with chocolate stains from the maximum size ice cream I just had a few minutes ago – as too gorgeous at the moment anyways (but I’m full of carbs – and this probably doesn’t make you horney thick, bearded man, but makes me as a victim of my hormones excessively happy, so deal with it).

So let’s face the truth. Even that bitch on instagram has to deal with self-doubts. Am I beautiful? Am I good enough? Am I loveable? And what the heck, is this cellulite on my calf in this picture here? Oh wait, it’s only a shadow. Damn, freaking god, don’t scare me this way! But – what I actually wanted to say is that – with a shadow on my leg or without, I wouldn’t wanna be anyone else but me. I like being me. And I like the body my soul lives in (even though we might need to talk about that massive ice cream massacre those last few days…I’ve been killing it…all of it). But well, talking about being grateful for the body we’re in is something that takes some time. It’s kind of a process that in the end leads you to this perception – and the only right conclusion. Some may say that this might be part of growing up, but that’s always the moment I start covering my ear’s, shouting I can’t hear anything of what you just said – laa – laa – laaaa. Growing up, they’re crazy! But well, they might be right that it’s always an individual process in the end.

And yep, my blog definitely contributed to my comfort and process in so many different ways. Especially those past few months, as I found a new passion in photography. Because in the end, it’s all about feeling good. Feeling good enough. Unconditionally. About not taking Likes on Instagram as a benchmark for your own beauty. And about wearing colorful buttons saying „valuable“ on your destroyed, old shirt with that chocolate ice cream stains on it, just in case you forget from time to time. As a reminder. And in the end it doesn’t matter which way you choose to make that process going further. As long as I made you smile about that thick, bearded man, I’m happy. As this was the only aim I had writting this text. 

Wordless

Was wäre ich ohne Worte,

befremdlich wortlos

irgendwie.

Doch deine Worte,

nein,

sie interessierten mich

tatsächlich nie.

Wollt gar nichts hören,

wollt einfach fühlen,

irgendwas in Blicken spüren.

Und als du zu mir sprachst,

jeden Tag,

was du bereit zu geben warst,

aber immerzu nur gar nichts gabst,

da wurd mir klar,

du bist nicht wortlos,

nur dein Wort,

das ist

bedeutungslos.

Fragile

Es ist Montagmorgen und in meinem Kopf ist der Notstand ausgebrochen.

Und du schaust mich an.

Mit diesem Blick in deinen Augen.

Der den meinen untersucht.

Und du lächelst.

In mir brennt das Chaos.

Unterdessen.

Doch ich lächle zurück.

Was ich dir gern sagen würde.

Oh, was ich dir jetzt gern sagen würde.

Das sag ich nicht.

Doch tät ich’s,

würd ich folgende Worte sprechen.

 

I’m really sorry.

Sorry I dragged you into this.

I overthink.

That’s all it is.

Ich denke zu viel.

Noch mehr als ich rede.

Über Gefahrenabwehr und Frühwarnsysteme.

Über Risiken und Nebenwirkungen.

Über Gespräche in Gedanken,

die den Kopf nie verlassen.

Will durchschauen.

Aber nicht durchschaubar sein.

 

Die Wahrheit ist.

Ich hab mehr Angst als Verstand.

Kann nicht drüber reden.

Geh drei Schritte nach vorn.

Renn im Zickzack zurück.

Wie kompliziert darf ich sein.

Bis du dich umdrehst und gehst.

So tell me now.

When every star falls from the sky

and every last heart in the world breaks.

Oh hold me now.

Wie weich ist zu weich,

frage ich dich.

Und ab wann

sind wir

zerbrechlich?

 

Es ist Montagmorgen und in meinem Kopf ist der Notstand ausgebrochen.

Und ich schreibe.

Einen Beitrag,

der von Schwäche handelt.

Upside Down

Meine Welt steht Kopf, so ganz deinetwegen, werd ich dir entgegnen, eines Tages im Gespräch. Und du wirst mich ansehen, es nicht gleich verstehen, dass das hier so eben, mein größtes Kompliment an dich war. Also mach ich’s konkreter, komme ein kleines bisschen näher, und sag: ich wüsst tausend Gründe warum, bitte, bitte, dreh sie nie wieder um, meine Welt über Kopf.

 


 

The day I tell you, that you turned my world upside down, will be the day, I pay you the greatest compliment of all. Please, don’t ever turn it back.

 

Memory minutes

Ein desaströses Date – ein Gedächtnisprotokoll

„Bist du eher naiv oder dominant?“, fragte er mich als ich gerade an meinem Wein nippte. Ich schaute ihn an, mit diesem Blick, der von Verwirrung und Unbehagen sprach. „Wie bitte?“, fragte ich zögerlich, obwohl ich die Frage akustisch durchaus gut verstanden hatte. „Ich weiß, ich polarisiere“, fuhr er fort und lachte. Ich schwieg, nickte milde lächelnd und nahm noch einen Schluck Wein. „Bist du politisch?“, fragte er mich. „Ich würde mich als linksliberal einschätzen, und als Sozialist, aber ein bisschen narzisstisch bin ich wohl auch“, fuhr er fort. „Ich glaube, das ist ein Joint“, meinte er plötzlich, als ein Ruderboot an uns vorbeizog, dessen Insassen er musterte. „Du nimmst keine Drogen?“, fragte er. „Äh, nein“, entgegnete ich entgeistert. „Hm“, antwortete er enttäuscht, „Noch nie etwas genommen, hast du kein Laster?“ „Nichts in dieser Hinsicht“, erwiderte ich, „Nein“ „Achtung jetzt öffne ich mich dir schon wieder“, sprach er, unter anderem als Anspielung darauf, dass ich ihm auf seine Fragen, die nach meiner Lieblingsstellung und zur Anzahl meiner bisherigen Sexualpartner zuvor die Antwort verweigert hatte, „Ich bin im Kinderheim groß geworden, ohne Liebe, und eine richtige Beziehung habe ich in meinem ganzen Leben noch nie geführt, zumindest habe ich es niemals so empfunden“, fuhr er fort. „Du bist ein sehr emotionaler Mensch, kann das sein?“, fragte er mich. „Ja, schon“, erwiderte ich und sah wie er begann mit den Augen zu rollen, bevor er erneut in einen Monolog verfiel, Dürrenmatt zitierte und mir zahlreiche Male ins Wort fiel um meinen Ausdruck zu korrigieren. „Der Wein ist leer, wollen wir vielleicht auf deinen Balkon umziehen?“, fragte er mich. „Ähm, ich kenn dich doch kaum, ich möchte das nicht“, entgegnete ich ihm. „Du bist spießiger als ich dachte, ich verspreche dir auch, ich rühr dich nicht an“, sagte er. „Nein“, antwortete ich erneut, „ich möchte das nicht“. „Du bist screepy“, entgegnete er. „Screepy?“, fragte ich nach. „Ja, seltsam, creepy eben“, erklärte er seine Wortneuschöpfung. „Dito“, konterte ich kühl. „Aber ich sag dir jetzt mal was“, äußerte er sich erneut, „du bist wirklich attraktiv, vielleicht pusht das ja dein Ego zumindest noch ein bisschen“ „Danke“, antwortete ich emotionslos und mit verwirrtem Stirnrunzeln, blickte starr in Richtung Wasser und Ruderboot und schenkte dem letzten Schluck Wein in meinem Becher deutlich mehr Beachtung als ihm. „Na toll, ein Danke, also ich hatte mir jetzt eine andere Reaktion erhofft“, äußerte er sich brüskiert, während ich derweil mit meinem Gesichtsausdruck kämpfte, der mir langsam aber sicher zu entgleiten schien. „Der Wein war wirklich teuer, 5,00 €“, äußerte er sich erneut. „Ich kann dir Geld dafür geben“, entgegnete ich unbeeindruckt und starrte weiterhin in die Ferne. „Lass uns zusammen packen“, sagte ich schließlich zu ihm und begann die Picknickdecke auszuschütteln, die er mitgebracht hatte, während er fortwährend darüber schimpfte, wie dreckig sie doch geworden wäre. „Das tut mir sehr leid“, antwortete ich unterkühlt-diplomatisch. Ein Stück gingen wir noch in dieselbe Richtung, ich schwieg, in der Hoffnung, dieser Weg würde ein leichter sein und Xavier Naidoo würde nur dieses eine Mal unrecht behalten. „So nah“, sprach mein Date so vor sich hin, als wir feststellen mussten, dass wir nur wenige hundert Meter voneinander entfernt wohnen. „Und doch so fern“, fügte ich unmittelbar hinzu und mir wurde bewusst, dass Xavier Naidoo tatsächlich recht behalten sollte. „Was ist denn nun deine Lieblingsstellung?“, fragte er mich auf diesen letzten Metern erneut. „Ich glaube, darauf muss ich nicht antworten“, entgegnete ich ruhig, woraufhin er lautstark anfing zu lachen während er sein Fahrrad neben mir herschob. „Genau mit dieser Reaktion habe ich gerechnet“, sagte er, „du bist wirklich so berechenbar“

„Ich muss da vorne links abbiegen“

„Okay, alles Gute“

„Alles Gute“

Strength

Stärke. Ein Wort mit dem ich mich im ersten Augenblick wahrscheinlich nicht sofort in Verbindung gebracht hätte. Warum auch. Denn bedeutet Stärke nicht, hart und taff zu sein, so richtig unbezwingbar? Aber ich bin kein Fels, vielmehr ein Softball. Bloß nicht zu fest drücken und pass doch bitte mit den Fingernägeln auf, das tut mir weh. Nein, ich bin nicht felsenfest, bin nicht unverwundbar, wenngleich auch nicht butterweich. Eben ein Softball, an dem so manches abprallt, so manches dennoch seine Spuren hinterlässt. Und wer nicht felsenfest ist, der kann doch niemals stark sein, dachte ich.

Und ich lies die Gedanken weiter kreiseln. Warum eigentlich sollte man Stärke nur an der Härte des Felsens oder an Popeyes Spinatarmen bemessen. Stark ist doch nicht, wer das Glas Gewürzgurken aufbekommt oder wer im Fitnessstudio die schwersten Gewichte in die Lüfte stemmt, nein, ich rede von einer anderen Form von Stärke.

Denn du bist stark, wenn du den fiesesten Liebeskummer deines Lebens überwunden hast. Und diesen Kater, von dem du dachtest, du würdest ihn wohl nie loswerden, Tierfreund hin oder her. Du bist stark, wenn du deinen Träumen nachjagst, ganz gleich, wie viele dich dafür belächeln. Immerhin hast du welche. Du bist stark, wenn du erkannt hast, dass du selbst zu sein, die beste Idee war, die du jemals hattest. Weil Individualität etwas tolles ist und weil es dir egal ist, ob dein vorlautes Mundwerk heute wieder anecken wird. Weil du nicht jedem gefallen musst – und möchtest. Du bist stark, weil deine kindlichen Vorstellungen, dass man aus dieser Welt noch immer einen besseren Ort machen kann, schlichtweg zeigen, dass deine Sichtweise auf die Dinge eine durchweg positive ist und wenn nur alle so denken würden wie du, dann hätten wir sie wahrscheinlich schon längst, diese bessere Welt von der alle reden.

Und vielleicht ist es tatsächlich so, dass wir viel zu oft vergessen wie stark wir eigentlich sind. Weil wir uns an falschen Parametern messen. Uns überhaupt messen. Denn Stärke ist nicht messbar. Und wahrscheinlich, ja ganz wahrscheinlich, sind wir alle keine Felsen, nur weiße Softbälle. Und am Ende ist Stärke eben so viel mehr als nur ein Bestandteil der Kartoffel, den man im Chemieunterricht so gern violett eingefärbt hat.

  

 


 

Strength. A word I certainly have never used to describe myself to others yet. I mean, doesn’t being a strong person includes being both tough and absolutely invincible? But I’m not a rock, I’m more of a softball. Don’t push me too hard and please be careful with your finger nails, you might hurt me. No, I’m not invincible, I’m not steady as a rock, so for that reason how would I be able to consider myself as strong then I was wondering.

So I let my thoughts spin around for a while and suddenly there was this question popping up on my mind. Isn’t strength so much more than just being physically strong and a tough person? The answer was immediately clear to me. Yes, it surely is.

You’re a strong person if you survived the worst lovesickness you could have ever imagined. And on top, the worst hangover of your whole drinking career. You’re strong if you keep on chasing your dreams no matter what people say. If they had dreams they would be chasing theirs instead of focussing on you, that’s for sure. You’re strong if you recognized that being you and only you is the best idea you ever had. Because individuality is personality and something you should be proud of. You’re strong if you don’t care if your loose tongue is rubbing the wrong way today, because you don’t need to appeal to anyone but yourself – and you don’t want to. You’re strong because your naiv thoughts on how we all could make this world a better place only show that you’re always focussing on the postive aspects and let’s be honest, if all people thought like you, we maybe had it already, this better world everyone’s talking about.

And maybe it’s just like that, we all too often forget about how strong we really are. And let’s face the truth, in the end only a very few are steady rocks, most of us are softballs, but strength is about so much more than being invincible.

Photography: Janna Kamphof

Outfit: Body – A Star is Born via Asos (get it here)

It will feel like peace to me

Und wenn Krieg wär,

ich blieb hier liegen,

in deinen Armen,

mit Augengucken

und Herzschlaghören,

für mich wär Frieden.

 


 

If we were surrounded by war

I would stay with you,

held in your arms,

with only eyes speaking

and heartbeats slowing down,

it will feel like peace to me.