Dolomites – The Italian Girl

She actually could have been in her late twenties, I assumed. Long, blonde hair, wearing hotpants up here in the mountains. She hiked all on her own, just like me. I asked her for help, as I wasn’t sure, if this still was the right path to get back down into the valley again. She turned around towards me, her hands both holding the straps of her backpack left and right next to her chest. I gazed at her hands right away, her nails perfectly manicured, unlike mine. She was Italian, in her late thirties I assumed now, dressed up and totally different compared to the hikers I met further up, in their professional clothing and with all their equipment. She reminded me of someone. She reminded me of myself, when I also did my very first hikes dressed up in Denim shorts wearing lipstick. I grinned at myself inside. She didn’t speak much English, but it was enough for a short conversation, to walk a short part of our way together. She helped me crossing the frozen waterfall, which up here even seems to be still covered with ice by the end of June. It’s been a super warm day, some ice had melted and some had broken, so I was a little scared. I sometimes am. Yes. The Italian girl told me, that she’s here all on her own. That she wanted it this way. And she wanted this her words to be emphasized, I knew. And I was pretty sure, she would have her reasons to be here just like I have my reasons to be here, too. But we didn’t talk about that. Instead, we nodded. Her friends would have called her crazy, she said after a short break. To go up the mountains all alone. To wander all alone. As a woman. I nodded again. Then we laughed. And were connected in this moment, connected in the feeling, that we both wanted to make this experience for ourselves, even perhaps that we both somehow needed it. She seemed vulnerable and quiet, despite her strong makeup, her bleached blonde hair, from which I could actually not quite tell, if it was still natural or hair extensions, and her false nails, that looked so much more groomed than mine, which made me look down at my own hands again. It seemed like she didn’t fit into this place. Even less than I did. I, with my mustard pullover, that I think makes me look like such a real roadtrip girl combined with my denim jacket. Like in the movies. And how proud I was, whenever I came back from my explorations, dirty and exhausted, with that backpack on my back, not only looking like an explorer, but also feeling and embracing it. This was doing something to me. This was doing something to the Italian girl. But we didn’t talk about it. We didn’t talk for the rest of our way until we reached the valley. We wished each other all the best and then went on into different directions.

 


 

Von hinten hatte ich sie auf Mitte Ende Zwanzig geschätzt. Lange, blonde Haare, Hotpants im Gebirge. Sie wanderte allein, genau wie ich. Ich sprach sie an. War mir nicht mehr ganz sicher, ob das hier noch immer der richtige Weg sein konnte. Ja, manchmal verlaufe ich mich. Sie drehte sich zu mir um, ihre Hände die Träger ihres Rucksacks links und rechts der Brust umgreifend und mein Blick blieb zunächst an ihren Händen hängen. Die Nägel perfekt manikürt, im Gegensatz zu meinen. Sie war Italienerin, vermutlich Mitte Ende Dreißig, schätzte ich nun erneut, hübsch zurecht gemacht, wirkte nicht wie die anderen Wanderer, die ich weiter oben gesehen hatte, in ihren professionellen Garderoben, mit den Stöcken und der ganzen Ausrüstung. Sie erinnerte mich an jemanden. Sie erinnerte mich an mich selbst, wie auch ich einst meine allererste Wanderung in Jeansshorts und Lippenstift bestritten hatte. Und ich grinste innerlich. Sie sprach nur ein wenig Englisch. Und doch reichte es aus für ein kurzes Gespräch, für ein kurzes Stück Weg gemeinsam. Sie half mir beim Überqueren des Wasserfalls, der hier oben scheinbar auch noch bis in den Juni hinein eine dicke Eisschicht zu tragen scheint. Tagsüber wurde es sehr warm, ein paar dicke Brocken hatten sich abgelöst und ich war nun ein wenig ängstlich. Manchmal bin ich das. Ja. Die Italienerin erzählte, dass auch sie allein hier wäre. Dass sie es so wollte. Das betonte sie. Und mir war klar, dass auch sie ihre Gründe haben würde, wie auch ich die meinen hatte, ganz allein hierherzukommen. Aber darüber sprachen wir nicht. Stattdessen nickten wir beide kurz. Ihre Freunde hätten sie für verrückt gehalten, erzählte sie nach einer kurzen Pause. Allein in die Berge zu fahren. Allein umherzuwandern. So als Frau. Ich nickte wieder. Wir lachten. Und waren in jenem Moment verbunden. Verbunden in dem Gefühl, diese Erfahrung gesucht, sie vielleicht sogar gebraucht zu haben. Sie wirkte zerbrechlich und leise, trotz ihres starken Makeups, der blondierten Haare, von denen ich nicht sagen könnte, ob sie echt oder unecht waren, und der künstlichen Nägel, die so viel schöner zurecht gemacht waren als meine, die ich mir nun heimlich anschaute, nach unten blickte, sie waren kurz und mit Dreck darunter. Und irgendwie passte sie hier nicht rein, noch weniger als ich in meinem senffarbenen Pullover, von dem ich der festen Überzeugung bin, dass er mich in Kombination mit meiner Jeansjacke wie ein waschechtes Roadtripgirl aussehen lassen würde. Wie in diesen Filmen. Und was war ich stolz darauf, wenn ich mit meinem Rucksack auf dem Rücken von einer Tour zurückkehrte und nicht nur wie eines aussah, sondern mich auch wie eines fühlte. Das hier machte etwas mit mir. Das hier machte etwas mit der Italienerin. Aber darüber sprachen wir nicht. Die letzten hundert Meter liefen wir still nebeneinander her, dann trennten sich unsere Wege, wir verabschiedeten uns und wünschten einander alles Gute. 

2 Antworten auf „Dolomites – The Italian Girl

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