What you live for

Kilometer 17 and we reached the highest point of our tour. Just in time for sunset. I’m exhausted. And tired. A physical mess. Somehow managed to make my way up here, but honestly, I experienced the limits of my body today. Also I should have been way more attentive on kilometer 14, so I wouldn’t have to continue with an aching ankle. We stayed the course and finally made it to this beautiful place. What a day. What a view. This is wind in my hair. This is sun on my skin. And I’m truely happy. Putting my hands up in the air like an eight year old for some pictures that come with this blog post. But first, a meal. Much needed now.

It’s a great feeling to eat, because your body needs the energy. And not just for fun and boredom, though I’m actually pretty good at that too. It’s a great feeling to walk as that’s what we have gotten legs for. Great to feel them at the end of a day, when all you usually feel is a burning head on your tense shoulders. If anyone had ever told me that I would need woods and mountains as much as the air that I breathe, neither a day in a crowded city center nor the H&M customer card, that I would feel as much at home on four wheels than I feel at the place I officially call home, that I would need adventure even though I’m a cautious chicken, that I need to go and walk and run away, recharge my batteries, come back to discharge, then leave again to recharge, discharge and keep on continuing this process over and over again, I would not have believed it. Things somehow started about one year ago, when I decided to save the world, asked how much it is, then ordered a small mango juice instead. When I left for quite a few expeditions and always came back home with new pictures of myself putting that arms up in the air, twirling around and looking happy as fuck, as I was nothing less than truely happy, truely grateful and truely myself at these moments. When I found out who I really am and what I really need. That I have not saved the world, but instead found out, what my own is all about.

Do you know these measuring tapes made of paper you get at the hardware store or Ikea? Take one of it, then on the one side pull it off at the number that represents your age and on the other one pull it off at a number between 80 and 85, which represents statistical life expectancy. So what’s left is simply a short, floppy paper strip and holding it in your hands will immediately start a process of reflecting yourself, no matter if you want to or not. This rather uncharming method just set the course and, actually, that’s what you need sometimes. Getting triggered to reflect about something you barely ever reflect about, because no one likes to be reminded of mortability, that – as Nelly Furtado once sang – all good things come to an end.

Being aware that life could be over tomorrow, or even the next minute, I’m gratefully sitting here on this little mountain, one happy nugget as I just had some good food and also because of this beautiful view I’m enjoying right now. Meanwhile my hiking buddy takes some pictures of me being happy. I guess that’s the prize people around me have to pay for my company. Haha. We tried not to put the focus too much on the sweaty face, but well, who cares. „Hiked up like this“. That would probably make a good caption. Haha. So, what I wanted to tell you with all these words, this post, is that bravery always comes with fear, but fear is an engine, not a brake. What do you live for. What are your passions. What do you want so much. And what are you waiting for. One day I will remember all the great things I’ve experienced, the things I’ve done and feared and nevertheless done and succeeded. That I walked, because I was made for it. That I climbed up mountains, because I wanted to. And that I gave all my fear and bravery and heart into it, because that’s what I live for.

 


 

Kilometer 17 an diesem Tag. Wir sind am höchstgelegenen Punkt der Tour angekommen. Pünktlich zum Sonnenuntergang. Ich bin erschöpft. Und müde. Unsäglich müde. Mehr schlecht als recht hier hinauf gekommen. Ganz ehrlich. Habe Grenzen gespürt. Die meines eigenen Körpers. Und einen Knöchel, den ich während des Abstiegs auf Kilometer 14 noch ein wenig sorgsamer hätte vor den anderen stellen sollen. Trotzdem durchgezogen. Und hier oben angekommen. Was für ein Tag. Und was für ein Ausblick. Das hier ist Wind in meinen Haaren. Das hier ist Sonne auf meiner Haut. Ich bin glücklich. Und wie ein kleines Kind, werf ich die Hände in die Luft. Aber jetzt erstmal eine Stärkung.

Es ist ein tolles Gefühl. Zu essen, weil der Körper es braucht und danach verlangt. Nicht nur aus Dummheit und Langeweile. Aber auch das beherrsche ich. Es ist ein tolles Gefühl, zu laufen, weil man dazu in der Lage ist und weil man Beine hat, die entgegen ihrer tagtäglichen, eher eingeschränkten Nutzung, endlich mal wieder genau dazu gebraucht werden. Die man am Abend, wenn man dann im Bett liegt, deutlich spüren wird. Dass es mal nicht der Kopf ist, den man spürt. Hätte man mir vor einigen Jahren gesagt, dass ich Berge brauche, Wälder brauche, wie die Luft zum Atmen, nicht den Stadtbummel, nicht die H&M Kundenkarte und dass ich mich auf vier rollenden Rädern ebenso zu Hause fühlen würde wie in meinen eigenen vier Wänden, dass ich das Abenteuer brauche, obwohl ich zugleich der größte Angsthase bin, den man sich nur vorstellen kann, dass ich raus muss, weg muss, laufen, rennen, mich an neue Orte begeben muss, um abzuschalten, Energie zu tanken, um sie wieder abzugeben, zurückzukommen  und den ganzen Kreislauf fortwährend zu wiederholen, ich hätte es nicht so ganz geglaubt. Denn vor etwa einem Jahr fing das alles an. Dass ich auszog, die Welt zu retten, fragte was die wohl kosten würde und stattdessen doch nur eine kleine Mangosaftschorle bestellte. Dass ich mich immer wieder auf Streifzüge begab und immer wieder mit immerzu neuen Fotos nach Hause zurückkehrte, auf denen ich glücklich die Arme in die Lüfte warf oder mich im Kleid fünfundachtzigmal um mich selbst gedreht habe, um auf verlassenen Landstraßen, vor bergigen Kulissen, in Rapsfeldern herumzuhüpfen, um letztendlich festzustellen, dass ich nicht die Welt gerettet, aber vielmehr meine eigene für mich entdeckt habe. Dass ich erkannt habe, wer ich bin und was ich wirklich brauche. 

Geht mal in den Baumarkt. Oder zu Ikea. Nehmt euch dann eines dieses Maßbänder aus Papier, die es dort gibt, reißt es auf der einen Seite genau bei der Zentimeterzahl ab, die eurem Alter entspricht und  an der anderen Seite exakt bei einer Zahl um die 80 bis 85, die dann ungefähr der statistischen Lebenserwartung eines Menschen entspricht, und schaut, was für ein kurzer, labbriger Streifen übrig bleibt. Das habe ich mal aus einem Seminar mitgenommen und fand die Idee super. Dieser kurze, labbrige Streifen ist das Leben. Wenn man diesen dann erst einmal in Händen hält und feststellt, wie kurz er eigentlich (mittlerweile) ist, setzt unweigerlich das Nachdenken ein. Schön ist der Gedanke an die eigene Sterblichkeit tatsächlich nicht. Die Methode mit dem Papiermaßband zudem auch wenig charmant. Aber um Charme geht’s ja hier nicht. Sondern um Bewusstsein. 

Mir dessen also vollkommen bewusst, dass ich auch bereits schon morgen von einem Bus überrollt oder auf der Stelle tot umfallen könnte, sitze ich für den Moment also gesund und glücklich und zufrieden hier oben, esse mein Brot und werfe mich für ein paar abschließende Bilder in Pose. Ziel war es, dass das sweaty face darauf möglichst wenig zu erkennen sein soll, aber man kann im Leben nun mal nicht alles haben. Immerhin authentisch. Lieblingswort der Blogger neuerdings. Meine Begleitung macht den Profifotografen. Das ist der Preis, den man für meine Gesellschaft scheinbar zahlen muss. Hahaaa. Und dann geht es auch schon wieder weiter. Was ich mit diesem Post sagen möchte ist: Mut ist, wenn man Angst hat und es trotzdem macht. Wofür lebt man. Wofür brennt man. Also im Herzen. Nicht an Körperöffnungen. Was will man so sehr. Und worauf wartet man eigentlich noch. Ich möchte mich irgendwann einmal zurückerinnern, wissend, ich bin gelaufen, weil ich laufen konnte. Bin Berge hinaufgestiegen, weil ich es so wollte. Hab Angst und Mut und Herz hineingegeben, weil ich nichts anderes als das jemals sollte. 

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Diese Bilder sind im Elbsandsteingebirge entstanden, auf dem Hinteren Raubschloss, einem meiner liebsten Orte. Ihr benötigt keine spezielle Ausrüstung, der Aufstieg ist mit ein wenig Kletterei verbunden, es sind einige Leitern, Tritte und Klammern, die euch dabei helfen und die Aussicht ist es in jedem Falle wert. 🙂

2 Antworten auf „What you live for

  1. Das ist ein ganz wunderbar geschriebener, aus dem Herzen kommender und leidenschaftlicher Beitrag. Und die Fotos strahlen genau das aus. Scheiß auf verschwitzte Gesichter und schmerzende Füße. Für mich hab ich auch vor etwa einem Jahr (wieder) entdeckt wofür ich leben möchte und wie und das es dafür nötig ist auch mal mit der Konvention zu brechen und das gängige Bild eines erfolgreichen Lebens was zur Zeit herrscht, in Frage zu stellen und mich sogar dagegen zu stellen.
    Ich bin auch unglaublich viel unterwegs, mache vollkommen unprofessionelle Fotos von Orten, die mir das Herz geöffnet haben, von Sonnenuntergängen, die ich nie vergessen werde und von Wäldern und Seen die einfach noch was Urtümliches haben.

    Ich hab auch Angst (gehabt) und musste mutig werden. Mich der Angst immer wieder stellen und hab festgestellt, dass es schön ist, wenn sowohl Körper als auch Kopf am Abend still sind weil man sich plötzlich selbst genug ist. Zu finden wofür man leben will ist ein erhebendes Gefühl.

    Und als sonst eher stiller Mitleser wollte ich nur mal Danke sagen, dass du solche Erfahrungen mit uns Lesern teilst.

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    1. Vielen vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich habe mich sehr gefreut! Und manchmal muss man durchaus mit den Konventionen brechen, auch mit den Vorstellungen, die andere an einen hegen und seinen eigenen Weg gehen. Nur so findet man heraus, wer man ist und wofür man wirklich brennt. Umso schöner wenn inmitten dieses Prozesses dann eben auch die Erkenntnis kommt, dass man sich selbst genug ist, dass man sich selbst gut tut. Das ist eine soo unglaublich wichtige Erkenntnis. Ich wünsche dir noch einen wundervollen Abend und bis ganz bald.

      Liebe Grüße,
      Stephie 🙂

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